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Atmen im Netzwerk
Atmen beschreibt einen iterativen, dialogischen Prozess, um die kollektive Intelligenz einer Organisation zu aktivieren. Statt Lösungen im kleinen Kreis fertig zu entwickeln und anschließend „auszurollen“, werden Fragen und Herausforderungen transparent im Netzwerk bearbeitet, vielfältige Perspektiven aufgenommen, gemeinsam verdichtet und wieder ins Netzwerk zur Weiterentwicklung/Umsetzung zurückgegeben.
Die vier Schritte
1. Frage stellen – öffnen Eine relevante Frage oder Herausforderung wird transparent gemacht. Menschen werden eingeladen, ihre Erfahrungen, ihr Wissen, ihre Fragen und Perspektiven einzubringen. Je nach Reifegrad, wird auch hier schon untereinander reagiert und Feedback gegeben (über Relevanz kann schon Resonanz entstehen)
2. Einatmen – Vielfalt aufnehmen Antworten, Ideen, Erfahrungen, Gespräche, Daten, externe Impulse oder Experimente fließen ein. Entscheidend ist zunächst nicht Einheitlichkeit, sondern relevante Vielfalt. Das reduziert Risiken, die Transparenz und Beteiligung reduziert späteren Widerstand bei der Umsetzung. Als Tools und Methoden gibt es viele Möglichkeiten - ESN ist besonders gut geeignet, da hier durch Likes und Kommentare Rückmeldungen automatisch konsolidiert werden und Relevanz sofort sichtbar wird (oder überhaupt möglich)
3. Verdichten – gemeinsam weiterentwickeln
Je nach größe der Frage kann das alleine, im Expert*innenTeam oder auch im Netzwerk passieren. Verdichten bedeutet nicht zwangsläufig filtern, vereinfachen oder reduzieren. Es kann genauso bedeuten, nachzufragen, zum Experimentieren zu ermutigen, den Ball zurückzuspielen, Allianzen zu finden, Menschen zu vernetzen oder unterschiedliche Lösungswege sichtbar zu machen.
Der typische Reflex, aus Vielfalt möglichst schnell die eine effiziente Lösung zu machen, wird komplexen Herausforderungen häufig nicht gerecht. Unterschiedliche Menschen, Kulturen und Kontexte können unterschiedliche Antworten brauchen.
Wir brauchen nicht mehr die eine effiziente Lösung – wir brauchen eine Vielzahl wirklich wirksamer Lösungen und Wege.
4. Ausatmen – zurückgeben
Beteiligung und Engagement braucht enge Feedbackschleifen. Wenn sich Menschen wirksam erleben, sind sie bereit mehr zu tun, weshalb es enorm wichtig ist, auch kleine Schritte (und deren Begründung) frühzeitig zu teilen. Erkenntnisse, Lösungswege, neue Fragen oder Experimente werden wieder transparent ins Netzwerk gegeben. Menschen können darauf reagieren, sie ausprobieren, ergänzen, widersprechen und weiterentwickeln.
Dann beginnt der nächste Atemzug.
Grundgedanke
Atmen ist damit kein linearer Prozess und keine Methode mit einem definierten Endpunkt. Es ist eine Haltung und Arbeitsweise:
Öffnen → Vielfalt aufnehmen → verdichten → zurückgeben → weiterlernen.
Je komplexer eine Herausforderung ist, desto wichtiger wird es, relevante Vielfalt nicht vorschnell zu reduzieren, sondern sie produktiv und skalierbar nutzbar zu machen.
Weiterentwicklung
Es steckt in diesem „4 Klang“ viel mehr als „nur Fragen-Antworten“. Einen großen Unterschied macht, wie wir fragen, wann, in welchem Kanal, mit wie viel Kontext usw. Auch zu beachten ist die „Haltung“ mit der gefragt wird - und die ist zum einen spürbar, zum anderen eine kulturbeeinflussende Aktion. Wir sprechen hier also auch auch nicht von einer „typischen“ anonymen Frage einer Funktion, sondern der einer Person, die dadurch Sichtbarkeit gewinnt, was großen Einfluss auf die Rückmeldungen hat.
Auch spannend, ist die mögliche und sehr deutliche Steigerung von Interaktion, Qualität, Kulturprägung, Effizienz und Gesamtwirkung - auch auf alle nicht aktiv Beteiligten, wenn man diesen Loop mehrfach durchläuft.
In einer späteren Reifegradstufe kann auch das einfache „Frage-Antwort“ PingPong zu einem coKreativs-Prozess verändern. Die Frage (die dann auch von anderen kommen kann) initiiert dann eine Souveräne, intrinsisch motivierte, multi-perspektivische gemeinsame Bearbeitung der dahinter liegenden Aufgabe.
Die gesteigerte Neugier, die gegenseitige Wertschätzung und vor allem Selbstwirksamkeitserfahrung erzeugen durch die notwendige, gesteigerte Transparenz im gesamten Frage und Umsetzungsprozess eine hohe Bindung untereinander und zum Unternehmen - Vertrauen… auf dessen Basis wiederum noch direkter (mit weniger Bürokratie, Regeln, Risikominimierung) und responsiver gearbeitet werden kann. Es entsteht „Adoption“ - eine Anpassung an eine neue Form kollektiver Problemlösung und Zusammenarbeit.
Die derzeit höchste Form dieser coKreativen Zusammenarbeit ist eine dezentrale Souveränität. Vernetzte Selbständigkeit, in der lokal oder im Kleinen transparent, beteiligen, aktiv - mit Hilfe der Netzwerk - gearbeitet wird. Je nach Größe und Relevanz der Themen kann die gesamte Organisation an den Aufgaben lernen, während Sie diese gemeinsam bearbeitet.
Infografik:
